Montag, 6. November 2017

Ja, mich gibt es noch

Brrrrr!, es ist so kalt geworden. Jeden morgen fallen die Temperaturen mittlerweile sogar unter 0 Grad C. Und das seit September! Eine Entschuldigung dafür, dass ich zwei Stunden lang im Sessel gelümmelt und online nach warmen Stiefeln gesucht habe.
Bei mir hat außerdem der 2nd Quarter, also die zweite Hälfte des ersten Semesters, angefangen. Ein Beweis dafür, wie lange es her ist, dass ich meinen Blog geupdated habe. Tut mir leid, dass ich so ewig gebraucht habe, aber ich wundere mich schon sehr, wie schnell die Zeit bei mir so vorbeifliegt. Einerseits fühlt es sich so an als hätte ich mich erst vor einer Woche von euch verabschiedet, andererseits als ob ich schon seit 2 Jahren und nicht Monaten auf die Highschool gehe.
Environmental science und American Government wurden mittlerweile durch World politics und creative writing ausgetauscht, der Rest (Crew, History und US Literature) bleibt. Creative writing wird zwar von Deborah unterrichtet, die mich schon mit US Literature ziemlich enttäuscht hat, weil ihr Unterricht sich einfach wie ein gut durchgekautes Wrigley’s Doublemint zieht, aber creative writing macht tatsächlich ziemlich Spass und ich habe einfach den Tisch mit den besten Leuten erwischt.
Am Freitag habe ich mich nach zwei Monaten wieder in die Tanzschule getraut und es erstaunlicherweise nicht bereut. Davor musste aber noch dieser “Ice rolls” Trend probiert werden. Normalerweise bringt mich amerikanische Schokolade nicht gerade ins Schwärmen - der Grund warum ich ein Paket voller deutscher Schokolade von meiner Familie zugeschickt bekommen habe - aber mit Zimtschokolade im Eis können auch die Amis nicht falsch machen.
In der Tanzstunde ging es dann mehr um Ausdruckstanz und die Connection mit Anderen. Ich war die Marionette, meine Partnerin Thorne die Manipulatorin. Wenn sie mich dann sanft an der Schulter berührt hat, musste ich die Berührung mit meiner Schulter und meinem Körper weiterführen. Wir haben uns aber dazu entschieden die Übung ein bisschen weiterzuführen und beide gleichzeitig die Puppe und die Manipulatorin zu spielen. Und ja - letztendlich war es Tanzen, auch wenn ich es selbst mehr als Theaterspielen wahrgenommen habe und in eine andere Rolle geschlüpft bin. Ich bin eigentlich ein kleines Desaster auf der Tanzfläche, aber nach der Übung wurden Thorne und ich gefragt, ob wir das schon öfter gemacht hatten. Zumindest sah es anscheinend so aus.
Es war nicht meine letzte Tanzstunde, die Woche darauf bin ich wieder in die Tanzschule reingeschneit und weil es kurz vor Halloween war, haben wir gelernt wie Zombies zu Blues zu tanzen. Nach der Tanzstunde gab es wieder reguläres Tanzen und die grosse Ueberraschung ein Murder Mystery! Da wir die Ersten waren, konnten wir ein Teil davon sein und mitspielen. Ich war der Geliebte der Getöteten und um den Mörder zu finden, musstest man entweder mit mir oder den sechs anderen Verdächtigen tanzen. Pro Tanz eine Frage zur Tatnacht. Um Mitternacht kam dann heraus, dass Audrey die unschuldige Baronin getötet hatte. Witzigerweise war ich nicht die einzige Deutsche, einer der Tänzer kam auch aus Deutschland und wir haben uns beim Tanzen laenger auf deutsch unterhalten. Was mir dabei ganz stark aufgefallen ist, ist wie schlecht mein deutsch in den letzten Wochen geworden ist. Oder wie gut mein englisch, je nachdem wie man es sehen will. Aber mir entfallen immer mehr deutsche Wörter während englische in meinem Kopf aufploppen. Denken tue ich mittlerweile auch halb in deutsch, halb in englisch. Nächstes Ziel, auch wenn ich es nicht großartig beeinflussen kann: auf englisch Traumen.
Aber nicht nur in der (Tanz-)Schule lernt man Dinge fürs Leben ;)
Zum Beispiel musste ich auf die lustige Tour lernen, wie schlecht Audrey darin ist Geheimnisse zu behalten. Eigentlich ist die Angelegenheit ziemlich witzig: Vor drei Wochen kam Audrey in mein Zimmer gestürmt um mir zu “beichten”, dass sie einen anonymen Memeaccount für unsere Schule auf Instagram erstellt hat, auf dem sie Memes, also witzige Bilder mit Text, aus der High School hochlädt. Ehrlich gesagt, haben sie anfangs nicht ihren Zweck erfüllt: Sie waren nicht wirklich witzig. Als wir dann am Montag in die Schule gekommen sind, kannte der Großteil der Schüler- und Lehrerschaft die Seite schon (Da zeigt sich einmal mehr wie klein Polaris eigentlich ist) und rätselte, wer denn bitte solche Memes gemacht hätte. Die meisten denken, dass es ein Freshman ist, aufgrund der Qualität der memes. Lainey Smith, ein Senior mit anscheinend zu viel Freizeit, die leider extrem gut mit der Kamera umgehen kann, ist dann auf die glorreiche Idee gekommen eine Dokumentation über den anonymen “Memer” zu drehen. Audrey hatte mittlerweile auch ihren besten Freunden erzählt, dass sie der Memer sei - was ihr später zum Verhängnis werden sollte - da sie es einfach nicht fuer sich behalten konnte und deshalb die ganze Nacht nicht geschlafen hatte. Anstatt den Account zu löschen, haben Thorne, Leif und ich beschlossen den Account ein bisschen aufzupeppen. Mit Audrey und dem Passwort für den Account ausgestattet haben wir dann erstmal die etwas merkwürdig anmutenden Bilder gelöscht und einen “send me pics from your classes” Aufruf gestartet. Tatsächlich sind dann witzige Bilder eingetrudelt, wir haben uns dann noch einen Text dazu ausgedacht und hochgeladen. Was dann passierte? Wir haben Kommentare wie “okay this is quality”, “actually funny” oder “good work on this one” bekommen. Aktion Rettet den Memeaccount hatte ihren Anfang gefunden. Laineys Dokumentation über den meme Account und damit auch über den Inhaber des Accounts aber auch. Zuerst hatte sie Shai im Visier, nach mangelnden Beweisen war fuer ein paar Tage Ian, Audreys Cousin, der auch in die Elfte geht, ihr Opfer. Nachdem aber Biller, der Mathelehrer, Joe, meinen Englisch und Crew Lehrer, des Betreiben des meme-accounts angeklagt hat, waren wirklich alle komplett verwirrt. Am Wochenende hatten wir unsere Ruhe von der Memersuche, da waren wir als ganze Familie nämlich auf Kürbissuche. Für das Herbstfestival der Kirche, brauchen wir noch 150 Kürbisse und da meine Gastmutter die Kinderpastorin ist, ist diese Aufgabe wieder auf die Bordens zurückgefallen. Mit zwei leeren großen Trucks sind wir dann auf ein riesiges Kürbisfeld angerückt. Unsere Mission: 150 orange Kürbisse, die nicht matschig sind, finden und in den sicher in den Truck laden. Es war mässig warm, 6 Uhr am Abend und der Himmel durchzogen mit blauen, rosa und orangen Wolkenschleiern. Da lagen sie nun: tausende (und ich übertreibe - ausnahmsweise ;) - wirklich nicht) dieser runden orangen Gewächsen, die dunkle Schatten in der untergehenden Sonne werfen. Zum Glück waren die Kürbisse gar nicht so schwer wie sie aussahen. Ich bin dann also auf die Feldern marschiert, habe die Kürbisse kritisch betrachtet und die Guten in einen der Trucks geladen. 2 ½ Stunden spaeter waren wir fertig. Und das Festival am Sonntag wurde ein voller Erfolg. Auch wenn ich nicht sonderlich viel davon mitbekommen habe, da ich die drei Stunden lang in der Ecke stand und Luftballons für ungeduldige Kids geknotet habe. Noch jetzt - und es ist inzwischen Mittwoch, vier Tage später - und meine Finger haben immer noch Wundmale.
Aber wer kümmert sich um das Fallfestival, wenn gestern Halloween war, stimmt’s?
Halloween ist in den USA eine wirkliche Sensation - nicht das ich mich bei den Amerikanern hier darüber wundere. Leuchtende Gesichter in den Kürbissen, übergroße falsche Spinnenweben und Skelette in allen Schaufenstern, man kommt einfach nicht drum herum. Ich war eine Miss Germany Teilnehmerin, die aber nur den 2ten Platz bekommen hat und deshalb tränenüberströmt nach Rache sinnt. Irgendwie gelingt es mir gerade nicht, das Bild davon hochzuladen.
Ich hoffe, ihr habt eine wunderschöne Woche in der ihr mir das vieeel zu späte uploaden langsam aber sicher verzeihen könnt.  
Best wishes
Mia
PS. Das sollte eigentlich schon vor fünf Tagen online gehen, so ein Mist aber auch :(
PPS. Kann mir jemand mal erklären, wie ich hier Bilder einfügen kann? So ganz Generation Smartphone bin ich dann leider doch nicht!

Montag, 25. September 2017

Babybaeren, Goldfische und Mormonenpuppen

Das Wichtigste zuerst:
Ich L-I-E-B-E Parmesan fries!
So. Und jetzt von vorne.
Sonntag: Vielleicht könnt ihr euch erinnern, dass ich im letzten Post gesagt habe, dass ich sonntags immer um 8 Uhr aufstehen muss. Tja, das hat sich jetzt geändert. Bei mir heisst es jetzt jeden Sonntag 6:45 Uhr. Denn bevor der normale Gottesdienst anfängt, gibt es noch ein eineinhalb stündiges Treffen der Jugendgruppe, derselben die sich auch jeden Mittwoch trifft und wir quatschen, lesen in der Bibel und springen ohne irgendwelche Spielahnung über das Footballfeld. Oh, und ich habe jetzt einen großen weißen Sticker mit dem Kirchenlogo auf meinem Handy prangen. Damit zieht mein Handy meinem verunstalteten Laptop gleich, unter Last diverser Cupcakes, lächelnden Äpfeln, Marienkäfern und blauen Eulen leidet. Amerika…
Nach der church hat Megan (erinnere: ohne h! :)) uns, das heißt Audrey, Jade und mich, durch Downtown geschippert, auf der Suche nach dem besten Essen. Was soll ich sagen? Das ist ihr zu hundert Prozent gelungen. Zuerst sind wir beim Big Al’s ausgestiegen, das ziemlich versteckt in einer der hinteren Ecken Downtowns lag. Audrey meinte, ich sollte ihr einfach vertrauen und truffle fries bestellen. Ich konnte mir unter Pommes mit Trüffeln zwar nicht so viel vorstellen, habe ihr den Gefallen aber trotzdem getan und damit auch mir selbst. Wie sich herausstellte, kennt Audrey meine Sucht ziemlich gut. Der Trüffel bezog sich nur aufs Oel, ansonsten waren es normale Pommes mit Petersilie und Parmesan. Derjenige, der diese Parmesanpommes erfunden hat, verdient sich einen Nobelpreis. Tut mir leid, dass die Hälfte meines bisherigen Blogeintrags sich auf Essen bezieht, aber … obwohl, ganz so leid tut es mir dann doch nicht.
Danach haben sich die Anderen noch mit Hippiedonuts beim “peace, love and little Donuts” zugedeckt. Unser letzter Stopp auf unserem Essensabenteuer war ein Bubbletea Laden. Ich muss ehrlich zugeben: Ich habe gar nichts von Bubbletea gehalten, mir dann aber doch die Erdbeerversion davon bestellt. Und auch wenn sich meine Sicht auf die Welt nicht wie bei den Parmesanpommes verschoben hat, hat er dennoch geschmeckt. Auf eine komische, gar nicht tee-artige Weise.
Mein Rest des Tages blieb unspektakulär, denn auch wenn ich glücklicherweise mittlerweile so richtig in der Schule angekommen bin, sind es die Lehrer unglücklicherweise auch und geben uns Berge an Hausaufgaben auf. Ich sitze bestimmt zwei Stunden täglich auf meinem Bett und raufe mir die Haare vor meinem Laptop darüber. Dabei bestehen 50% der Hausaufgaben aus nur einem Fach: Environmental Science. Ich verstehe mich mit meiner Lehrerin Sarah wirklich gut, aber was auch immer sie für eine Wut auf die Welt hat (dabei ist sie eigentlich eine sehr ausgeglichene und freundliche Person), sie lässt sie am Hausaufgaben Geben aus. Gut, fairer Weise muss man sagen, dass ich in dem Fach eine 3.5 habe, also ein A, da kann ich mich nicht wirklich beschweren.
Montag: News des Tages: ein kleiner Baby-Schwarzbär läuft seit Sonntag frei in der Stadt herum, auf der Suche nach Schutz, zu Essen und seiner Mama. Audrey, meine Gastmutter Diane und ich haben uns natuerlich Dianes kanariengelben Volkswagen geschnappt und in den Park gefahren, wo er das letzte mal gesehen wurde. Kein kleiner Baer, weit und breit. Enttäuscht haben wir uns wieder auf den Rückweg gemacht und plötzlich einen blinkenden Feuerwehrwagen am Straßenrand gesehen. Wir sind nicht aus dem Auto ausgestiegen, haben aber neben dem Haus zwei Wildlife Guards und ein paar Feuerwehrmänner mit Leitern gesehen. Der Schwarzbär hatte sich ängstlich versteckt und in den Bäumen des Gartens verkrochen. Zum Glück konnte er gerettet und wieder in die Wälder zu seiner Familie gebracht werden. Und bei dieser Kleinstadt würde es mich nicht wundern, wenn das der einzige Einsatz der Feuerwehr in dieser Woche war.
Dienstag: In American Government haben wir mit der Supreme Court Fashion Collection angefangen. Japp. Genau das Gesicht habe ich auch gemacht. Im Grunde geht es darum, besondere Fakten über die Mitglieder des Supreme Courts (davon gibt es zum Glück nur neun) herauszufinden und diese in irgendeiner Weise in ein Kleidungsstück, Autosticker, Schmuckstück etc heraus zu suchen. Damit ihr euch das besser vorstellen könnt hier ein Beispiel für Elena Kagan:

(Kagan ist kinderlos, ihre Mutter eine Lehrerin und war u. a. in Oxford. So geht es dann seitenlang weiter)
Währenddessen hat Liz die Ukulele gespielt.
Mittwoch: Mittwoch gehen meine Schwestern und ich immer in den Jugendgottesdienst. Und die ist echt unersetzbar geworden.
Mike ist ein richtig richtig cooler Jugendpastor und/aber auch ein großer Kindskopf (wenn überhaupt jemand das Wort noch benutzt). Die Jugendgruppe, mich eingeschlossen, aber auch. Als wir nach einer 20-minütigen Fahrt, da die Kirche leider so weit weg ist, ausgestiegen sind, hat uns ein goldfischbefülltes Aquarium begrüßt.
Draussen waren zwei Bahnen, gefüllt mit Wasser aufgebaut. Jeder einzelne hat ein wasservolles Marmeladenglas und einen Goldfisch bekommen. Ich habe mir den kleinsten ausgesucht und ihn Cheese getauft (getauft hahaha).
Nach ein paar aufschlussreichen Interviews über die Persönlichkeit unserer Fische ging es ans Eingemachte. Das Goldfisch rennen. Jeder Goldfisch tritt gegen einen anderen an und der Gewinner aus der Runde gegen den Gewinner aus der anderen Runde.
Und mein kleiner Cheese hat das Unglaubliche geschafft! Er wurde……… zweiter. Ha!
Leider war Cheese ein ziemlich schlechter Verlierer und hat einen Tag später Selbstmord begangen in dem er aus dem Goldfischbecken zuhause gesprungen ist. Wir haben eine würdigende Beerdigung abgehalten (= ihn die Toilette runtergespült).
Donnerstag: In Geschichte haben wir unser Puppenspiel über die Geschichte der Mormonen aufgeführt, ein Stück das wir die Tage davor geschrieben und die Puppen aus Popcorn Tüten gebastelt haben. Ich habe den Erzähler gespielt und es hat superviel Spaß gemacht. Denn Taylor Swift, der Song Paper planes und ein halbnackter Jesus nur mit Speedo und Manbun waren inklusive.
Freitag: Vom Vortag gab es noch Mac n Cheese, den ich in der Schulmikrowelle zum Mittagessen erhitzt habe und mir eine Gabel aus der Mensa ausgeliehen habe. Ich habe mich mit Leif, Geneva (die sich übrigens nicht ausstehen können) und Inish draussen in der Sonne zusammen gesetzt. Leif ist auf die nicht ganz so grandiose Idee gekommen, Plakate für mich für den Prom zu gestalten, a la: “Ich bin ein armes deutsches Maedchen und das ist mein einziger Prom, wählt mich zur Promqueen!”. Er fands witzig. Ich vielleicht nicht ganz so. Als er sein Tablett wegbringen wollte, habe ich meine Gabel einfach dazugelegt, weil ich auch schon fertig war. Leider hat Leif ein todernstes Pokerface, sodass ich ihm sofort geglaubt habe, als er gesagt hat: “Mia, that is very disrespectful in our American culture”
Ich, völlig verwirrt, habe die Gabel natürlich wieder zurückgenommen. Manchmal würde ich gerne den Begriff Facepalm wieder einführen, aber Regina George würde mich dann schlagen, und sagen: “Das ist sowas von 2015”.
Samstag: Apropo Regina George: Audrey und ich waren für einen Filmabend bei Leif, weil sie herausgefunden haben, dass ich noch nie Space Jam gesehen habe. Vielleicht war ich ein bisschen naiv, deren Pokerface zu glauben, dass Space Jam ein Meisterwerks Hollywoods ist. Space Jam haette auf Amazon Prime aber gekostet und das war es wirklich nicht wert. Also dann: ran an Mean girls. Und um Leifs Männlichkeit wiederherzustellen, haben wir noch Iron Man in unser Filmprogramm aufgenommen. Fun fact: Amerikaner essen nur salziges Popcorn. Für mich nicht wirklich ein “fun” fact
Sonntag: Wo wir schon bei Leif sind: er, Kinzy, Anakin und ich haben uns inzwischen ziemlich gut angefreundet. Allgemein sind die Amerikaner hier sehr offen und man findet schnell Freunde oder wenigstens Bekannte, denen man wenigstens auf dem Schulflur “Hallo” sagt. Leif ist ein ziemlicher Nerd und hat sich am Anfang des Jahres 40.000 Bienen angeschafft. Diesen Herbst waren sie stark genug, das man ihnen ein bisschen Honig klauen konnte. Das haben wir - beschmückt mit diesen witzigen Imker Hüten - dann auch getan.
Und - holy Guacamole - der Honig ist so guuut! Ich weiss ja nicht, was für magische Wunderblumen hier wachsen oder es vielleicht einfach nur daran liegt, dass der Honig noch frisch war, aber ganz ehrlich? Ich habe noch nie so guten Honig gegessen. Ich mag zwar vorher kein großer Honigesser gewesen sein, bin es aber jetzt mit Sicherheit.
Man nahm einfach eine Honigwabe vollgesogen mit Honig, brach ein Stück ab und kaut darauf rum (ist schließlich Wachs) bis man all den Honig hat und spuckt den Rest an Wachs dann wieder aus. Klingt merkwürdig, ist im Grunde aber nur ein großes Kaugummi :)
Mischmasch aus den nächsten Tagen:
Diese Woche waren die Intensives! Meine Gruppe, die Tale Spinner Lounge bestehend aus 20 Middleshoolkids (ich sag nur “I love Minecrafts-shirts…) und 5 Highschoolern, Rachel, Matan, Nico, Sumar und ich, hat sich die ersten Tage in verschiedenen Cafes getroffen und an ihren Projekten gearbeitet. Den Montag darauf (der heute ist, der Tag an dem ich schreibe hihi) werden diese Projekte im Lokal “Colorado Room” auf der Bühne vorgeführt. Entweder schreiben, Musik machen oder zeichnen stand zur Auswahl. Am Mittwoch sind wir dann von 10.30 am bis 10.30 pm ins eineinhalb Stunden entfernte Denver gefahren und haben den Bookstore besucht, den ich genau einen Monat früher mit meiner Tante quasi leer gekauft habe. Meine Selbstkontrolle scheint ziemlich schlecht zu sein, denn ich konnte meine Finger einfach nicht von den Büchern lassen und musste mir eins kaufen. Zu meiner Verteidigung war es im Sale und hat nur 10 $ gekostet, was ziemlich günstig ist, weil Buecher in Amerika regelmäßig über die 20$-Marke kommen und in der Regel um die 18$ kosten. Aber genug von Büchern, direkt nebenan war ein altes Kuenstler Kino (d. h. nur ausgewählte “künstlerische” Filme), in dem wir den Anime “Napping Princess” geschaut haben. Mag ja alles schön künstlerisch anspruchsvoll und musikalisch sein, der Plot war mir dann doch zu verwirrend. Es war schon die Hälfte des Nachmittags rum und wir haben das Musikgeschäft “Twist and Shout” (klingelt es da bei einigen Beatle-fans?) aufgesucht. Der Store war vollgestopft mit Platten und CD’s, unter anderem mit Panic! at the Disco, Imagine Dragons und Co, was mein kleines Fangirlherz hat höher schlagen lassen. Zum Glück meines Geldbeutels habe ich kein CD oder Plattenspieler bei den Bordens. Zum Abendessen hat unsere Musiklehrerin, die übrigens zwei Jahre mit ihrer Familie in Berlin gelebt hat, zum Brik on York geführt, ein vollgestopftes und gut besuchtes Weinlokal mit passabler Pizza und Live Musik, wo Nico und Matan, mit denen ich die Woche mit Rachel am meisten abgehangen habe (Matan ist Jude und hat ziemlich schwarzen Humor), letztendlich spielen durften. Ihre Band nennt sich “My dog ate Chad” und sie haben einiges drauf!
Den Rest der Woche haben wir uns dann wieder in verschiedenen Cafes getroffen und ich konnte weiter an meinem Gedicht und meiner Kurzgeschichte schreiben. Diese konnte ich dann dem Producer der Show vorführen. Erstaunlicherweise fand Bill, der selber schon über 10 Novellen veröffentlicht hat, mein Schreiben so gut, dass er mich gefragt hat, ob ich schon ans Veröffentlichen gedacht hat. Er möchte mir heute seine Karte geben, da er Kontakte hat, die dem veröffentlichen helfen konnten, jedoch bräuchte ich eine Vorschau meiner Kurzgeschichten, das um die 100 Seiten umfasst. Das hat jetzt aber gar nicht mehr mit der Tale Spinner Lounge zu tun. Ich war super überrascht und erfreut, hab zugestimmt, aber weiss jetzt gar nicht, wie ich 100 Seiten schreiben soll! Probieren geht aber bekanntlich über studieren.
Mein Wochenende liess ich mit Netflix and chill und Kopfschmerzen ausklingen und bin jetzt umso aufgeregter auf heute Abend, da ich gleich zweimal auf die Buehne muss.
Außerdem ist meine Schwester Audrey heute 17 geworden und kommt mit der ganzen Familie und ein paar Freunden von mir und ihr heute abend in den Colorado Room zu unserer Show. AHHHHH!
Heute morgen waren es übrigens 5 Grad C, sodass ich meinen Mantel und meine Handschuhe aus dem Koffer, der eigentlich schon längst ganz hinten im Schrank verschwunden war, holen musste. 5 Grad! Vor zwei Wochen hat die Temperatur noch die 28 Grad hochgeklettert!
Cold, but best wishes!
Mia

PS. Es tut mir wirklich sehr leid, dass das so spaet kommt
PPS. Ich habe meine Liebe fuers Buegeln gestern entdeckt. Wenn ich zurueck komme, mache ich gerne all eure Klamotten fuer 50 ct pro Stueck.
PPPS. Ihr koennt mir gerne Schokolade rueberschicken, die Amerikanische ist ziemlich schlecht.
PPPPS. Es tut mir leid, dass alles fettgeschrieben ist, ich weiss wirklich nicht wieso und warum

Freitag, 1. September 2017

Living like weasel (and dancing like weasel)

Tschgrrrrr!
Oder was auch immer ein Wiesel zur Begrüßung sagt.
In US Literature and Culture haben wir nämlich genau dazu ein Projekt, "living like weasel". So verrückt ist es gar nicht, im Grunde geht es nur darum, sich mit dem Text von Anne Dillard zu beschäftigen, der eben genauso heißt, und dazu eigene Gedichte zu schreiben. Aufhören, mich darüber lustig zu machen, kann ich aber trotzdem nicht.
Ich bin sehr gluecklich hier drüben und ich konnte mich inzwischen gut einleben. Mein Sonnenbrand hat auch schon angefangen abzugehen, aber das wollt ihr wahrscheinlich gar nicht wissen ;)
Ich konnte inzwischen auch den besten Cookie überhaupt (Ich meine: weicher Cookie, geschmolzene Schokolade und gerösteter Marshmallow, wer kann dem widerstehen?) und die verschiedensten Leute kennenlernen.
Zum Beispiel Sy, Nicole und Liam (leider nicht mein kleiner Bruder), mit denen ich mich immer in US Lit & Cult und in der Mittagspause zusammensetzte. Sie sind einfach super witzig und teilen meine Liebe für Bücher und Sherlock. (Und Sy kann es die beste Oktopuszeichnerin, die ich je kennenlernen durfte!!!)
Oder Geneva, die einfach eine super Stimme und meinen Musikgeschmack hat. Während wir in Environmental Science experimentieren, dürfen wir uns immer Musik aussuchen und weil wir nur 8 Schüler sind, passt das ganz gut.
Shai, weil sie eine total liebe Seele und viel zu großzügig ist. Und weil sie Geneva und mich einfach mal in ihrem Siebensitzer zu Wendy’s fährt und uns dann auch noch einlädt.
Oder Megan ohne h und Carmella, die ich in der Gemeinde kennengelernt habe. Vielleicht gehe ich mit Carmella sogar auf den Homecoming Ball der Rocky Mountain Highschool, weil Megan, die diese viel zu grosse Schule (2000 Schüler!!!) auch besucht, keine Lust hat und lieber mit Audrey skydiven geht. Beim Skydiven schlägt dann aber meine Höhenangst zu. Und wer würde, abgesehen von Megan, den Homecoming Ball absichtlich sausen lassen? Ich nicht!

Freitag
In der Schule hatten wir heute Wikingerschach gespielt. Tja, ich war die Einzige, die Regeln kannte und sie erklären musste. Und die Klötze hatten Plastikbabyköpfe von unserem Lehrer Grindl drauf geschraubt...
Ansonsten war Schule stinknormal und für diese Highschool heisst es, dass ich den Unterricht genossen habe. Und das alles drunter und drüber gegangen ist. Das ist hier nämlich gang und gebe.
Am Abend habe sind wir mit Audrey, Miranda und deren Freundin, deren Namen ich peinlicherweise wieder vergessen habe, tanzen gegangen. Und ich war wirklich schlecht, aber Deborah, meine US Lit Lehrerin meinte ja, wir sollten wie Wiesel leben. Und ich glaube nicht, dass Wiesel gute Tänzer sind. Anyways: es hat mega Spass gemacht.
Neben dem Tanzstudio war ein riesiger Süßigkeitenladen. Ich habe mir zwar nichts gekauft, denn einmal angefangen, haette ich nie wieder aufgehört und Diabetes bekommen. Ernsthaft. egal ob Karamell Lakritz, Toffifay (kommt euch das bekannt vor?) oder kleine Bonbonmenschen, man konnte hier alles finden.

Samstag
Ich habe mir Audrey geschnappt und bin mit ihr den Horsetooth hochgewandert. ICH habe SIE zum Wandern aufgefordert, so unglaubwürdig das auch erscheinen mag. Und so anstrengend, wie es in 5700 Fuss Höhe auch war, ich habe es geliebt über kleine Kakteen und rote Felsbrocken zu steigen um dann diese atemberaubende Aussicht zu haben. Der Horsetooth ist zwar Teil der Rocky Mountains, aber ist dennoch nur ein kleinerer Berg. Von der Spitze aus konnte man direkt auf Fort Collins und die ameisenkleinen Haeuser sehen, während auf der anderen Seite die größeren Rocky Mountains in den Himmel ragen und zu deren Füßen das Wasserreservoir lag, in dem ich genau eine Woche zuvor Water tubing war und mir diesen Sonnenbrand geholt habe. Audreys geheimer Ausblicksort lag versteckt hinter ein paar grossen Steinbrocken und Kiefern, sodass man die rostroten Kliffensteine erst gar nicht sah. Teile von ihnen ragen über die Bergstraße vor dem See.
Und das war der Moment, wo ich eigentlich total in Höhenpanik ausbrechen sollte, denn der Boden unter unseren Füßen war 8 Meter entfernt. Tjaa, ich bin nicht in Panik ausgebrochen, denn das war bei diesem Anblick gar nicht möglich. Wir haben uns auf die Steine niedergelassen und die Beine und Seele über dem Abgrund baumeln lassen. Ich konnte einfach nicht lassen Fotos von diesem Ort zu schiessen, obwohl sich die Schönheit nicht komplett einfangen ließ.
Den Rest des Tages lag ich tot auf dem Sofa und habe gelesen. Ich merke richtig, wie sehr sich mein Englisch schon verändert hat, wenn ich lese! (Ganz einfach deshalb, weil mein handy nicht mehr die ganze Zeit mit dem Google Übersetzer einspringen muss)

Sonntag
Kirche heisst: früh aufstehen. Vielleicht nicht um sechs Uhr, wie jeden Schultag, aber acht Uhr ist schon hart am Sonntag. Zumindest fuer mich ;)
Aber es hat sich gelohnt! An diesem Sonntag war Baptism Day (Taufe) und da sich vorher niemand für die Taufe gemeldet hatte, hat der Pastor einfach gefragt, ob es jemanden gibt, der schon länger überlegt hatte, sich taufen zu lassen. Und tatsächlich ist eine Frau aufgestanden. Sie war nicht vorbereitet, in ihren ganz normalen Alltagsklamotten und wurde in einem kleinen Pool an der frischen Luft getauft. Ein paar Tränchen musste ich trotzdem vergießen und ich war nicht die Einzige, weil es einfach so berührend schön war. Schoen ging der Tag auch weiter. Audrey, Megan und ich sind zum Park gefahren, da Megan schon einen Führerschein hat, und haben uns mit Eiscreme vollgestopft und das durch stundenlanges Quatschen und Frisbee spielen, wieder abtrainiert. Hoffentlich...
Und ich konnte es wieder nicht lassen, mir einen Sonnenbrand zu holen.

Montag
Schule. YAY! Und wenn ich YAY! schreibe, dann meine ich das auch wirklich so! Okay, morgens, wenn mein Wecker um sechs Uhr das Haus zusammen krachen lässt, wird das YAY! doch sehr ironisch. Oder wenn wir in US Lit & Cult langweile Hausaufgaben aufgebrummt bekommen und wieder 400-600 Wörter schreiben müssen. (By the way: wir sollten über Wiesel schreiben und ich habe EXAKT 600 Wörter in diesen Essay gestopft. Das verschafft einem eine merkwürdige Art von Stolz :)).
Heute habe ich außerdem Rosie kennengelernt. Rosie ist supersüß, solch eine liebe Seele und eine Schlange. Hätte nie gedacht, dass ich eine Schlange als süß bezeichnen werde, aber diese ist es. Ernsthaft. Ich habe sie sogar um die Schultern gelegt.
In Crew haben wir herausgefunden, welche Committees wir an der Schule übernehmen sollen. Ich hatte mich für den Prom angemeldet und ihn auch bekommen. Mit sieben anderen Mädchen und einem unfreiwilligen Jungen darf ich nun den Abschlussball fürs Jahresende planen. Ein Thema haben wir auch schon: "Glow under the sea"! Also quasi ein Unterwasserball mit Schwarzlicht und Neonfarben. Wer auch immer auf diese absurde Idee mit den Schwarzlichtern gekommen ist?! (hihi) Es ist zwar ein ziemlich klischeebeladenes Thema, aber ich glaube das wird superfun!
Außerdem haben wir in Environmental Science angefangen uns mit Eulen zu beschäftigen. Detaillierter: Eulen würgen Ratten, Mäuse und Co. in einem Haps runter und erbrechen die Knochen wieder... Genau diese durften wir untersuchen. Solange jeder seine Handschuhe an ließ ging das noch klar und war sogar interessant. Bis dann das eine Mädchen beschlossen hat, die Maeuse- und Rattenschädel zu behalten, abzuwaschen und auf eine Kette zu fädeln. Oh...kay...!
Außerdem sind die Ergebnisse für unsere “Intensives”  festgelegt worden.
Das bedeutet eine Woche schulfrei und stattdessen den Trip, den wir gewählt hatten. Da wären zum Beispiel die Tale Spinner Lounge, man trifft sich eine Woche lang in verschiedenen Cafes und schreibt. Seine Geschichten/Gedichte/Songtexte werden dann laut vorgelesen, während ein Künstler das Erzählte auf einer Leinwand festhält. Oder Wildlife, wo man eine Woche campen geht und die Welt rettet, in dem man hunderte von kleinen Bäumen pflanzt. Meine erste Wahl war stattdessen "Moab". Eine Woche in den Flusstälern der Canyons mit 20 anderen Schülern und meinen zwei Lieblingslehrern Kanu fahren und die Nächte in Zelten an Stränden zelten. Ich hab es leider nicht bekommen. Stattdessen bekam ich meine vierte Wahl - die Tale Spinner Lounge. Es ist zwar wirklich schade, vor allem weil Audrey und zwei andere Mädchen die ich sehr gerne mag, Anakin und Kenzie, auf den Trip aufgenommen wurden. Aber ich glaube, dass die Tale Spinner Lounge entspannt wird.
Jetzt habe ich erstmal US Government und darf in einer Debatte in die Rolle eines Senators schlüpfen: Jeff Flake. Leider ein Republican.
Aber keine Angst - wir sprechen uns. Muhahahahaha.
Best wishes, Mia!
PS. Leider ist es für mich gerade nicht möglich Bilder in den Blog einzufügen, aber die kommen zu 100% noch!

Montag, 21. August 2017

Was in einer Woche alles passieren kann...

Da melde ich mich wieder aus den Tiefen des Internets! Und dieses mal von meinem eigenem Laptop,- yaaaay - den ich heute von der Polaris (meiner kleinen aber feinen Highschool) bekommen habe. Und der ist echt nicht mal schlecht! Und von genau da an wuerde ich euch gerne erzaehlen: Meinem allerersten Highschooltag. Der merkwuerdiger Weise am letzten Freitag losging. Erst am Donnerstagabend konnten die Bordens, wie sie jedem stolz erzaehlen, ihre neue Schwester kennenlernen. Da sie selber gerade erst aus Spanien zurueckgekommen sind, haben wir uns erst am spaeten Abend am Flughafen getroffen. Wenn man dieses Labyrinth aus Gaengen und falschen Schildern ueberhaupt Flughafen nennen darf.
Ein kleiner Ministeckbrief fuer euch: Mike und Diane Borden sind meine Gasteltern, Wesley und Olivia studieren in Chicago und Stockholm und Audrey (16), Miranda (15) und Elaina (14) sind meine neuen Schwestern. Ich hatte so ein Glueck mit dieser Familie. Sie sind supernett und haben vorallem einen aehnlichen Humor!
 Auch die Bordens hatte einen extremen Jetlag und deshalb gingen wir so schnell wie moeglich schlafen. Der naechste Tag, war wie gesagt mein grosser Highschooltag. Ich bin mit meiner aeltesten Schwester Audrey bei den Juniors - der elften Klasse. Die Schule ist zum Glueck sehr ueberschaubar und gefuehlt jeder Lehrer kam erstmal an und hat Audrey ueber ihre Pilgerreise in Spanien ausgefragt. Das sich Schueler und Lehrer gegenseitig beim Vornamen nennen, ist ungewohnt, aber passt genau in dieses Kleinstadtgefuehl. Ausserdem sind die Lehrer unglaublich witzig. Wahrscheinlich habe ich nur die richtigen Lehrer abbekommen, denn ich habe echt richtig coole und entspannte Lehrer. Und die jeden Tag. Auf meiner Highschool ist es naemlich so, dass du jeden Tag die selben Faecher hast. Aussnahmslos bis das Semester im Winter endet. Am Freitag stand auf meinem Stundenplan als erstes "Algebra II" bei Marc "The Monster" Biller. The Monster, weil er gerne mit Kreide wirft. Fragt nicht! Aber ich habe zum Glueck schnell gemerkt, dass dieser Kurs, weil er sich auch auf die "seniors", also 12-klaessler, bezieht, einfach eine Nummer zu hoch fuer mich ist und habe zu US History gewechselt. Ich habe kein Mathe. Ein ganzes Semester lang. Ihr wisst gar nicht, wie gluecklich ich mich schaetze!
 In US History habe ich jetzt die beste Lehrerin von allen. Du sitzt im Unterricht und hoerst Liz  einfach gerne zu, weil sie drauf hat, die amerikanische Geschichte lustig und spannend rueberzubringen. Umso besser ist, dass ich sie auch in der dritten/vierten Stunde in US Government habe. Anstatt in alten Buechern rumzublaettern (in keinem Fach braucht man hier Schulbuecher...), stalken wir D. Trump und Co. auf unserem eigenem Kurs-Twitteraccount, In den zwei Stunden vor der Mittagspause bin ich im "US Literature and culture" Kurs von Deborah. Deborah ist das Klischee eines Buecherwurms, dass in den 70ern stecken geblieben ist. Weite Hosen, langer grauweisser Zopf und Schulstunden, die sich um das Beschreiben der Harmonie in der Natur drehen. Heute, am
Montag, mein zweiter Schultag, ging es deshalb um die Sonnenfinsternis, ueber die wir schreiben sollten. Der ganze Kurs sass also vor der Schule auf dem Gras, mit den komischen solar eclipse Brillen auf dem Kopf und hat abwechselnd in die dunkler werdene Sonne und in sein eigenes Heft geguckt. Oder sich ueber Sherlock unterhalten.

Die Klischees stimmen leider. In der Mensa gibt es nur Pizza oder Chicken Nuggets. Und weil diese nur so von Fett triefen, zieht es uns zum Store daneben, der so gross ist, das er es locker mit der Metro aufnehmen koennte. Aber so sind Supermaerkte hier. Mein letztes richtiges Schulfach ist "environmental science". Also Wissenschaften, die sich besonders auf den Umweltschutz fokussieren. Mit mir sind es nur sieben Schueler in Sarahs Kurs. Du lernst du Leute dadurch superschnell kennen und der Unterricht ist noch direkter und meiner Meinung nach besser. Es geht nicht einfach nur um Wissenschaft, denn darin bin ich wirklich nicht gut, sondern ein grosser Aspekt sind auch Geisteswissenschaften. Am Freitag ging es zum Besipiel ueber "the Tragedy of the Common" und Ueberfischerung weltweit. Also haben wir zwei Fischkompanien simuliert und darueber diskutiert, welcher Weg fuer die Firmen und die Umwelt am Besten ist. Ich liebe solche Diskussionen einfach! Mein einziges Fach, das kein richtiges Schulfach ist, ist Crew. Hier trifft sich die ganze Klasse, circa 15 Schueler bei Joe, der aber nur Joerrr genannt wird, weil es noch einen anderen Lehrer gibt, der Joe heisst und weiss ich was. Am meisten liesse sich Crew vielleicht mit Klassenrat vergleichen. Es geht um den sozialen Umgang mit einander und die Vorbereitung aufs College.
Wie ihr merkt, bin ich wirklich begeistert von der Schule, so komisch es auch klingen mag. Und irgenwie war ich auch traurig, dass ich erst einen Tag dort hatte und dann schon Wochenende war. Wozu ich wirklich keinen Grund hatte.
Nach der Schule haben mir Audrey und Elaina, meine vierzehnjaehrige und juengste Schwester, den "Dollar Tree" gezeigt. Den coolsten One Dollar Laden ueberhaupt. Sie moegen, zwar eine jede Menge Mist haben, aber ich habe trotzdem ein paar praktische Sachen gefunden. Flips Flops zum Beispiel, denn die hatte ich auch bitternoetig, denn am naechsten Tag war Church Boat Day. Ihr seht, hier geht es alles so ziemlich schlag auf schlag :).

Church Boat Day bedeutete, dass ich den ganzen Tag mit meiner neuen Familie und deren Kirchenfreunden am kliffigen (wenn es dieses Wort ueberhaupt gibt) Strand sass, oder im See schwamm. Es gab Haehnchen und Chips und sehr nette Leute. Der Main Pastor besass sein eigenes Boot und hat sich ein paar Teenager geschnappt, womit er weiter auf See gefahren ist. Darunter auch Audrey und ich. Vielleicht sagt euch ja der Begriff Water tubing was. Wenn nicht, hier ein Bild von Google. Es laesst sich naemlich nicht so gut beschreiben, was wir dann gemacht haben ;).|
Es hat so Spass gemacht! Obwohl ich zweimal ins Wasser geschleudert wurde...
Aber wir hatten natuerlich Schwimmwesten an :)
Die Erinnerungen sind leider nicht das Einzige, was ich von diesem erlebnisreichen Tag hatte. Mein ganzer Rueken, meine Oberschenkel und Arme ziert jetzt ein ziemlich roter Sonnenbrand. Aber ganz ehrlich? Das war es auf jeden Fall wert!
Die Buchstaben fliessen mir quasi aus den Fingern, denn wir sind schon bei Sonntag angekommen! Und damit wieder ein Tag mit der Stephens Ministry Kirche. Als ich sie an diesem Tag das erste mal betrat, hatte ich das Gefuehl dauernd jemanden von Zuhause aus der Arche wiederzuerkennen. Das hoert sich echt weird an, aber die Kirche hier aehnelt der Arche wirklich sehr. Ich hatte echt das Gefuehl wieder zuhause angekommen zu sein. Die selben Lieder, ein aehnlich schlecht zeichnener Pastor und wunderbare Menschen (und Kuchen). Nach dem Kirchendienst haben wir einem Tacoladen einen Besuch abgestattet. Was ich an den amerikanischen Restaurants so liebe, ist, dass du dir dauernd den Essen und Trinken wieder auffuellen lassen kannst, ohne nur einen Cent drauf zu zahlen. Wir sind bestimmt dreimal die Nachos wieder auffuellen gegangen und haben zwei ganze Portionen einpacken lassen. Wie cool ist das bitte?!? Keine Angst, ich quaele euch jetzt nicht mit Nacho-Bildern, denn der Uhrzeiger naehert sich der 10 und ich stehe morgens schon gegen 06:15 auf...
Best wishes, Mia!

PS. Ich verspreche, das naechste mal bekommt ihr was ueber die Leute hier zu erfahren. Denn es ist ziemlich schwer hier NICHT Freunde zu machen!

Donnerstag, 17. August 2017

Katastrophale Passkontrolle, Überfall der Schlange und meine erste große Liebe

Da bin ich wieder! Diesmal in Denver, Colorados Hauptstadt und trotzdem noch nicht am endgültigen Ziel. Meine zweite Heimatstadt wird ab morgen Fort Collins sein, eine ehemalige Militärbasis mit 143.000 Einwohnern. Der Grund warum ich seit gestern im Hotel "Warwick" mit eigenem Ankleideraum und Riesenbalkon vor mich hin schwitze, ist einfach: Meine Gastfamilie ist noch nicht da. Die sind nämlich selber auf der anderen Seite des Ozeans - in Santiago, Spanien - im Urlaub und kommen mit etwas Verspätung heute erst um 19 Uhr am Flughafen in Denver an.
Aber fangen wir lieber von vorne an - meinen 10-stündigen Flug. Ich hatte nämlich das große Glück mit meiner Tante zu fliegen, da diese als Stewardess arbeitet. Und doppelt Glück, weil ich deshalb in der Economyclass Premium sitzen durfte. Während sie also die Fluggäste bediente, durfte ich es mir mit Creme Brulee Maracuyaeis gut gehen lassen. Der Flug war wirklich lang, aber angenehm, fast schon zu gut- wirklich tolle Filme, viel zu viel gutes Essen und zwei sehr nette ältere Herren als Sitznachbarn. Bis an der Passkontrolle im Denver Flughafen dann der Schocker kam: Mir fehlte ein Dokument, zusätzlich zu meinem Studentenvisa. Entnervt wurde ich von der Dame am Kontrollschalter in einen extra Raum geschickt, dabei war ich selber schon mit den Nerven am Ende. Man kennt ja so einige Geschichten aus der amerikanischen Passkontrolle...
Der Mann dort konnte mir am Computer das benötigte I-20 Dokument als Vorlage zeigen, ich konnte mich sogar noch daran erinnern, das Papier in der Botschaft in Berlin dabei gehabt zu haben, aber auch nach dem dritten mal durchsuchen meines Handgepäcks konnte ich es nicht finden. Nachdem der Kontrollbeamte sich das OK bei seinem Supervisor geholt hatte, konnte ich gehen und meinen roten Koffer vom Gepäckband hieven. Einfach so. Natürlich nicht, ohne mir nochmal klar gemacht zu haben, dass er mich genauso gut auch einfach hätte nach Hause schicken können. Ich hatte einfach so viel Glück und Gottes Segen auf einmal.
Ansonsten verlief der Abend ruhig. Mit der Lufthansacrew ging es ins Hotel und dann mit meiner Tante in die 16th Street, eine gefühlt kilometerlange Straße, wo sich Starbucks, H&M, 7eleven und Einstein bros Bagels nur so aneinander kuscheln. Mit der Ruhe war es dann vorbei, als ich meine erste große Liebe, Oase der Erfrischung oder kurz gesagt, einen überteuerten Smoothieladen erblicke: Jamba Juice. Ein kleiner Freudensschrei entschlüpfte mir. Man mag es vielleicht nicht nachvollziehen können, aber ich liebe, liebe, LIEBE Jamba Juice! Also ging es schnell rein mit mir und genauso schnell mit einem riesigem Becher "Strawberry Wild" wieder raus.
Vielleicht war das ja der insgeheime Grund warum es mich nach Amerika für ein Jahr gezogen hat, denn den Laden habe ich leider noch nie woanders außer in den USA gefunden :(
Schwer zu glauben, dass sich mein Glück noch toppen ließ, aber so war es. An der nächsten Straßenecke haben wir einen urigen, aber riesengroßen Bookstore ausfindig machen können. So unglaublich viele und großartige Bücher. War ja klar, dass man Handy genau dort schlappmachen musste. Aber vielleicht ist es Besser so, sonst würdet ihr hier nur noch mit Bildern davon zugemüllt werden.
Um 19 Uhr waren wir hundemüde und haben uns zum Hotel aufgemacht, denn in Deutschland lag der kleine Zeiger schon auf der Ziffer 3. Drei Uhr nachts, wohlgemerkt. Das war zumindest der Plan, den die Orientierung würde weder bei mir noch bei meiner Tante als Stärke gelten. Um halb neun bin ich schließlich mit bleischweren Beinen ins fluffigweiche Bett gefallen.
Und leider schon gegen vier Uhr morgens wach. Der Jetlag grüßt.
 Jetzt ist es gleich 13 Uhr und ich habe schon eine kleine Fahrradtour am S Platte River hinter mir. Der Fluss ist wirklich schön und ich hatte die Möglichkeit, von den sandigen Steinen meine Füße ins Wasser baumeln lassen, natürlich nicht entgehen lassen. Wo ich dann von einer fürchterlichen Schlange fliehen musste! Zugegeben, es war eine kleine Blindschleiche und sie wollte mich auch nicht wirklich angreifen, sondern ist nur über den Weg nun ja... geschlängelt, aber fürchterlich war sie trotzdem. Keine Wiederrede!
Ich hoffe, es geht euch richtig gut und ihr habt fast so schönes Wetter wie hier (30 C und Sonnenschein!). Oder fast so leckeres Essen wie hier (mit Nutella und Erdbeeren gefüllte Crêpes oder Parmesancrisps!). Oder eine Freundin, die nicht so doll angibt wie hier ;)
Best wishes, Mia!

Sonntag, 13. August 2017


 

Nur noch 3 Tage bis Amerika!

Kaum zu glauben! Zu allererst ist ist unglaubwürdig, dass ich es doch tatsächlich rechtzeitig geschafft habe, einen Blog zu erstellen! Genauso unglaubwürdig wie dass ich es unbeschadet und nicht zerquetscht aus euren Umarmungen gekommen bin. Oder dass ich schon in drei Tagen nach meinem knallroten Koffer auf dem Denver Flughafen Ausschau halten muss. Ich bin euch allen sehr dankbar für die schönen Gespräche aber auch wortlosen Umarmungen in den letzten Tagen und Wochen. Ohne ins Sentimentale abzuschweifen: Ich werde euch alle sehr (!!!) vermissen. Um so schöner wird es dann in 10 Monaten wieder in meine Lieblingshafenstadt zurückzukehren, dessen bin ich mir sehr sicher!
So richtig realisiert habe ich das Ganze eh noch nicht. Heute noch bin ich an der Alster entlang gefahren und habe bei Gerrit Siedler von Catan gewonnen -  was sonst ;) - und in drei Tagen soll ich schon mit Jetlag verwirrt auf die Uhr meines Handys starren? Auf der anderen Seite des Ozeans? Wie soll das den gehen? Zum Glück kann ich mich mit den vielen Karten, die mein Großvater mir mitgegeben hat nicht verlaufen. Und im Notfall wärmt mich eine übergroße Amerikaflagge oder eure lieben aufgeschriebenen Abschiedsgrüße sicher verstaut in der Flasche. Und wenn es hart auf hart kommt, mache ich Alinas Perlenohrringe zu Geld. HAHA! Als ob ich die im nächsten Jahr überhaupt einmal abnehmen würde! Wie ihr seht, bin ich bestens ausgestattet für mein Abenteuer Amerika! So schnell wie möglich werdet ihr wieder von mir hören! Bis dahin wünsche ich euch noch wärme (Ferien-)Tage ohne Regen und Marie einen wunderschönen Geburtstag!  Ich liebe euch. Best wishes, Mia!